Unser nächster Great Walk führt uns durch den Abel Tasman National Park an der Nordküste der Südinsel. Entlang der Küstenlinie verläuft ein 60 km langer Wanderweg, der Abel Tasman Coast Track.
Wir werden den Weg in 5 Tagen zurücklegen – was zunächst recht einfach klingt, entpuppt sich auf Grund des ständigen Auf und Ab und unseren 12kg Rucksäcken als anstrengender als erwartet…

Wir starten gegen 12:00 in Nelson und fahren in Richtung Takaka. Dort stellen wir unser Auto ab und steigen in unser Shuttle, das uns zum Einstieg des Tracks in Marahau bringt. Hier starten wir gegen 15:30. Auf dem Weg sind wir auf Grund der Uhrzeit halbwegs allein und können die Natur weitestgehend ungestört genießen. Die ersten neugierigen Weka laufen uns aber auch hier schon über den Weg und sollen uns über die nächsten Tage stetig begleiten. Diese flugunfähigen Vögel gibt es hier haufenweise. Aber Vorsicht, sie sehen zwar auf den ersten Blick niedlich aus, sind aber sehr gerissen und klauen gern essen aus geschlossenen Rucksäcken (zum Glück nicht aus unseren) und können sogar Reißverschlüsse öffnen. Wir kommen als Letzte an der Anchorage Hut – unserer Unterkunft für die erste Nacht – an, schnappen uns die beiden übrigen Betten, kümmern uns ums essen und gehen früh ins Bett. Generell ist es so, dass in den Wanderhüten der Tag mit dem Sonnenaufgang startet und mit Sonnenuntergang endet.

Am zweiten Tag starten wir mit etwas Verspätung und queren die Torrent Bay gerade noch rechtzeitig bei Niedrigwasser. So sparen wir uns ca 3km Strecke, aber bekommen etwas nasse Füße. 15 Minuten später und wir hätten den Umweg nehmen müssen oder wären wirklich nass geworden. Der Tidenhub hier ist ca 4m und das Wasser kommt und geht entsprechend schnell.
Wir laufen relativ entspannt zu unserer nächsten Unterkunft, der Bark Bay Hut. Da die Strecke recht kurz ist, kommen wir früh an, haben freie Bettenwahl, genießen den Tag am Strand und spielen ein bisschen (Dank an Aniko und Brux für die Spielesammlung :)). Spätestens an dieser Hütte lernen wir auch unsere Begleiter der nächsten Wochen in großer Zahl kennen: Sandflies. Diese kleinen Blutsauger sind zwar nicht gefährlich, ihre Bisse jucken aber wie Hölle…

Von der Bark Bay Hut geht es am nächsten Tag bis zur Awaroa Hut. Wir laufen ca 14 km und bewältigen jeweils 460m Auf- und Abstieg. Da wir früh gestartet sind, kommen wir wieder sehr früh an und gehen am Nachmittag noch zur Awora Lodge. Dort gönnen wir uns zur Belohnung nach einem doch recht anspruchsvollen Tag Cuba Libre und machen uns wieder auf den Weg zurück zur Hütte. Auch hier können wir auf Grund des Niedrigwasser den nötigen Weg halbieren und laufen nur 3 anstatt 7 km pro Strecke. Da das Wasser nach unserer Rückkehr auf dem Stand des nächsten Morgens ist, schauen wir uns noch kurz an, was uns bei der Querung des Awora Inlet erwarten wird. Die Hütte liegt direkt an dieser Flussmündung, die bei Hochwasser komplett von Meerwasser geflutet wird. Hier müssen wir morgen früh queren und es gibt keine Alternative. Es heißt also früh aufstehen oder bis zum Abend warten.

Pünktlich um 7:45 starten wir am vierten Tag mit der Querung des Awora Inlet. Wie vom Ranger schon angekündigt, bleiben die Füße trotz Niedrigwasser nicht trocken. Die Profis haben Trekking-Sandalen. Wir kämpfen uns mit Flip-Flops und Barfuss durch den Matsch. Irgendwann bleiben die Flip-Flops nämlich im Matsch kleben und man kommt nicht mehr vorwärts. Nach erfolgreicher Querung machen wir uns auf den Weg zu unserer letzten Hütte, der Whariwharangi Hut. Die Hütte ist sehr alt und wurde schon 1898 durch Farmer genutzt. Heute dient sie Wanderern als Unterkunft. Dort angekommen genießen wir noch ein wenig den Strand, schwimmen in der Tasmanischen See, kochen und machen uns wieder früh bettfertig.
Die eiskalte Dusche nach dem Strandbesuch ist auf einer Hüttenwanderung quasi Luxus und sorgt für eine ein angenehm, sauberes Gefühl. Die Mischung aus Sand, Sonnencreme, Insektenschutz und Schweiß ist nicht unbedingt eine Wellnessoase fur das eigene Wohlbefinden!

Am letzten Tag geht es nur noch 5km bis nach Wainui Bay. Dort sammelt uns unser Shuttle wieder ein und setzt uns an unserem Auto in Takaka ab… Von hier aus geht es weiter nach Collingwood im Nordwesten der Südinsel…